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10 Thesen zum Begriff „Postmoderne“:
Plädoyer für einen Übergangsbegriff in der
Theologie
- „Postmoderne“ dient als Dachbegriff für
ein ganzes Spektrum theoretischer Strömungen, wie z.B.
Dekonstruktion, Post-Struktualismus, Post-Kolonialismus,
Gender Studies, Contemporary Critical Theory, Phänomenologie
u.a.
- Die Brauchbarkeit des Begriffs „Postmoderne“
leitet sich aus seiner Bekanntheit ab. Es ist ein Übergangsbegriff,
der zunehmend aus der Mode kommt. Bis ein besserer und ähnlich
weiter Begriff vorliegt, wird an dieser Stelle weiterhin
von „Postmoderne“ gesprochen.
- Die Pluralität der angegebenen Konzepte erlaubt es
nicht, eine Wesensbeschreibung der „Postmoderne“
zu geben. Es handelt sich gewissermaßen um ein „leeres“
Etikett, das mehr heuristischer als definitorischer Natur
ist, geeignet zur groben Bezeichnung einer Interessenslage.
- Allgemein formuliert ist die Familienähnlichkeit
der genannten Denkströmungen in der Erkenntnistheorie
zu suchen. Gemeinsam ist ihnen der Ansatz bei der Bedingtheit
und Kontextualität von Erfahrung, Erkenntnis, Wissen
und Vernunft. Diese Bedingtheit wird mit linguistischen,
historischen, soziologischen, kulturellen, ästhetischen,
medialen, politischen und philosophischen Argumenten artikuliert.
- Ein verbreitetes Anliegen „postmoderner“
Denkströmungen ist die Sorge um Alterität. Die
Berechtigung des „Anderen“, von Differenz und
Pluralität ist ein paradigmatischer, wenn auch nicht
ausschließlicher Zug, „postmodernen“ Denkens.
- Ein weitgehender Konsens besteht darüber, das „Postmoderne“
kein Ende der Moderne bedeutet, sondern ein Moment an der
Moderne selbst ist. Die „Postmoderne“ partizipiert
dabei am Definitionsproblem der „Moderne“.
- Die Theologie hat sich in ihrer Rezeption bisher an eine
„achtenswerte Postmoderne“ (Lyotard) in Form
anspruchsvoller Theoriebildung gehalten. Das Gespräch
wurde gesucht mit Philosophen wie Jacques Derrida, Jean-Francois
Lyotard, Emmanuel Levinas, Michel Foucault, Michel de Certeau,
Jacques Lacan, Gianni Vattimo und anderen, die sich auf
einem ähnlichen theoretischen Niveau befinden.
- Jede Form von „Postmoderne“ im Sinne bunter
Indifferenz und Unvernunft kann nicht Gesprächspartner
der Theologie sein.
- Die „Postmoderne“ impliziert keine bestimmte
politische oder kirchenpolitische Ausrichtung. Es gibt liberale
wie konservative postmoderne Theologien.
- Die Fassung unter den Begriff der „Postmoderne“
geschieht auf dieser Web-Seite ohne explizite Einwilligung
der aufgeführten Theoretiker. Manche der aufgeführten
Denker würden sich selbst nicht so bezeichnen.
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