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Peter Hardt, Köln
Entmythologisierung des Wissens
Rudolf Bultmann neu gelesen im Licht des Denkens von
Michel Foucault
„It ain’t necessarily so. The things that you’re
liable to read in the bible, it ain’t necessarily so.“
Es ist nicht notwendig so. Die Dinge, die wir in der Bibel
lesen, sie sind nicht notwendig so gewesen. George Gershwin
textet diese Zeilen in den späten Zwanzigern des 20.
Jahrhunderts für sein Musical „Porgy and Bess“.
Sie sind eine populäre Version der Einsichten liberaler
Theologie, die die historisch-kritische Auseinandersetzung
mit der Bibel aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft heraus
in das allgemeine Bewußtsein gebracht hatte. Die liberale
Bibelkritik hatte die Frage aufgeworfen, wie man an die Inhalte
des christlichen Glaubens bejahen kann, wenn mit rationaler
Argumentation nachweisbar ist, dass viele der biblischen Geschichten
keine historische Grundlage haben. Gershwin spürt dem
praktischen Echo dieser historisch-kritischen Ent-täuschung
nach, und lässt seine Musical-Figuren die Glaubwürdigkeit
der biblischen Erzählungen hinterfragen. Dabei ist das
Stück „It ain’t necessarily so“ weder
revolutionär gesinnt noch als spektakuläre Absage
des modernen Menschen an die Relevanz der biblischen Schriften
inszeniert. In „Porgy and Bess“ führen die
bibelkritischen Erkenntnisse im Horizont der Moderne zu einem
schulterzuckenden Abwenden von der biblischen Überlieferung.
Dem Neuen Testament kann wegen seiner Inkompatibilität
mit der Moderne nur noch mit Gleichgültigkeit begegnet
werden. Die Welt der Bibel und die Welt von heute sind inkompatibel.
Um am Wort Gottes als ihrer „ersten Norm“1
festhalten zu können, hat die Theologie Modelle der theoretischen
Vermittlung zwischen dem Evangelium und der Moderne entwickelt.
Nach wie vor formuliert Rudolf Bultmanns Programm der Entmythologisierung
das zugrunde liegende Problem am treffendsten, wenn er eine
existentiale Interpretation vorschlägt. Darin enthalten
aber ist die selbstverständliche Voraussetzung, dass
die Inkommensurabilität mit der Moderne immer zu Lasten
der biblischen Botschaft gedacht werden muss. „It ain’t
necessarily so.“ Genau diese stillschweigende Voraussetzung
soll in diesem Essay mit Hilfe von Michel Foucault hinterfragt
werden. Das Projekt Bultmanns wird hier einer kritische Re-Lektür
im Licht des Denkens Michel Foucaults unterzogen, die Bultmann
in seinem Anliegen der Vermittlung bestätigt, in seinen
Voraussetzungen aber kritisiert. Michel Foucault ermöglicht
eine kritischen Revision seiner Theologie, aber auch eine
Radikalisierung des Bultmannschen Vorgehens.
Die Entmythologisierung des Neuen Testaments: Rudolf Bultmann
Rudolf Bultmann geht einen anderen Weg als die liberale
Bibelkritik, in deren Tradition er ausgebildet worden war.
Nachdem er bereits 1924 in dem Aufsatz Die liberale Theologie
und die jüngste theologische Bewegung seine Absage
an die liberale Theologie formuliert hatte, stellt er 1941
sein Programm der Entmythologisierung vor. Anstelle der liberalen
Eliminierung des Mythos favorisiert er dessen Interpretation.
„Kann man schematisch sagen, daß in der Epoche
der kritischen Forschung die Mythologie des Neuen Testaments
einfach kritisch eliminiert wurde, so wäre - ebenso schematisch
gesagt - die heutige Aufgabe die, die Mythologie des Neuen Testaments
kritisch zu interpretieren.“2
Bultmann teilt mit der liberalen Theologie die Überzeugung,
dass das Weltbild des Neuen Testaments als mythologisches
defizitär ist. Aber er schlägt einen anderen Umgang
mit dem Mythos vor: er will nicht einen wertvollen Kern aus
der mythischen Hülle isolieren, sondern statt dessen
das Ganze des Neuen Testaments für den modernen Menschen
fruchtbar machen. Doch dazu müssen laut Bultmann alle
Aussagen der Bibel existential interpretiert werden. „Die
Entmythologisierung will die eigentliche Intention
des Mythos zur Geltung bringen, nämlich die Intention,
von der Existenz des Menschen in ihrer Begründung und
Begrenzung durch eine jenseitige, unweltliche Macht zu reden“3.
Für Bultmann kommt erst im völligen Absehen von
jedem objektiven Aussagegehalt des Neuen Testaments das Eigentliche
zum Vorschein: der Ruf Gottes in die Übernahme der eigenen
Existenz.
Man kann nach Bultmann bei Verstehen der Bibel zwei Fehler
machen: Zum Einen kann man den Fehler einer biblizistischen
Leseweise machen, die die Bibel als normierende und selbst
nicht normierte Norm auch im naturwissenschaftlichen Sinn
versteht und kritiklos ein vergangenes Weltbild als objektiv
wahr anerkennt. Es ist ein falsches Vorgehen, in den biblischen
Texten die für den modernen Menschen angemessene Aussagen
zu Gott und Welt zu suchen, denn der Mythos spricht „vom
Unweltlichen weltlich, von den Göttern menschlich“4.
Für den modernen Menschen, der diese Weltauffassung unmöglich
teilen kann, macht die Entmythologisierung jedoch erst das
eigentliche Skandalon des neutestamentlichen Seinsverständnisses
sichtbar, nämlich dass Gott zum Heil, d.h. zu einer eigentlichen
Existenz ruft. Zum Anderen kann man den Fehler der liberalen
Theologie machen und mit der Mythologie auch das Kerygma,
die eigentliche Verkündigung ausscheiden. Denn der mythologische
Überbau enthält das Seinsverständnis des Neuen
Testaments, das aber nur dann sichtbar wird, wenn man ihn
im Licht existentieller Fragen auslegt, und ihn nicht als
weltanschaulich falsche Aussage ignoriert. Ein solches Vorgehen
verspielt die Bedeutung, die die mythologische Rede für
den Menschen gewinnen kann. Da beide Wege gleichermaßen
inakzeptabel sind, interpretiert Bultmann die Aussagen des
Neuen Testaments im Horizont der menschlichen Existenz. Denn
Bultmann erkennt und reflektiert die von den liberalen Theologen
beiseite gelassene Realität, dass Menschen die biblische
Botschaft als etwas erfahren, das sie unbedingt angeht. Jenseits
aller wissenschaftlichen Herangehensweise hat die Verkündigung
des Evangeliums eine Kraft, die Menschen bindet, die ihr Leben
verändert und prägt, die sie in die Nachfolge Jesu
ruft, die sie die Erfahrung der Rechtfertigung, des Heils
machen läßt. Dies läßt sich mit der
historisch-kritischen Methode nicht begreifen. Die linguistischen
Vorgehensweisen von Textkritik, Formgeschichte, Redaktionsgeschichte
usw. müssen an dieser Realität vorbeigehen und sie
als irrelevante Fragestellung aussondern. Ein solcher Methodenkanon
zielt auf Kritik der biblischen Botschaft und der kirchlichen
Verkündigung, jenseits ihres soteriologischen Gehalts.
Bultmann dagegen will mit seinem Programm der Entmythologisierung
nichts anderes tun, als die Erfahrung des Heils zu bedenken,
ohne dabei die berechtigte kritische Leseweise der Bibel beiseite
zu legen. Für ihn gehört beides untrennbar zusammen.
Eine der wesentlichen Voraussetzungen, die Bultmann dafür
macht, ist es, die Gegenwart als Maßstab für die
Beurteilung der Vergangenheit herauszustellen. „Entmythologisierung“
steht schon begrifflich für eine Absage an ein mythologisch
verstandenes neutestamentliches Weltbild. Am deutlichsten
kommt das in diesem programmatischen Satz zum Ausdruck:
„Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat
benutzten, in Krankheitsfällen moderne medizinische und
klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die
Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben.”5
Diese lapidare Feststellung darf zu Anfang des neuen Jahrtausends
wohl als falsifiziert betrachtet werden. Der Esoterik-Boom
hat uns gelehrt, dass modernes Leben und der Glaube an mythologische
Inhalte wie Astrologie, Kraftfelder, Pyramiden, Hexen- und
Druidenglaube, Energieströme usw. sich faktisch nicht
ausschließen. Doch kann die theologische Forschung sich
mit diesem ebenso lapidaren Hinweis nicht aus der Verantwortung
stehlen, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen, nämlich
die „Glaubbarkeit des christlichen Glaubens“6
zu reflektieren. So ist das Kernproblem, um das es aus heutiger
Perspektive in Bultmanns Programm der Entmythologisierung
geht, der Widerstreit7
zwischen zwei Welten. Auf der einen Seite steht die Welt des
Neuen Testaments mit seinem als mythisch gekennzeichneten
Weltbild, auf der anderen Seite die Moderne mit ihren Errungenschaften
von Wissenschaft und Technik. Da die beiden sich als inkommensurabel
erweisen, wird die Interpretation der neutestamentlichen Verkündigung
notwendig. An keiner Stelle problematisiert Bultmann, dass
dabei nach den Regeln der Moderne geurteilt wird. Er ist offensichtlich
überzeugt von der unbedingten Überlegenheit und
Fortschrittlichkeit der Moderne gegenüber der Antike.
Doch: „It ain’t necessarily so.“
Kritische Aufklärung der Moderne: Michel Foucault
Eines der zentralen Anliegen der Arbeiten von Michel Foucault
ist das Aufweisen der Kontingenz des modernen Weltbildes.
Dazu muss der Gershwin-Titel allerdings aus dem Kontext biblisch-theologischer
Wissenschaft gelöst und auf das weite Feld des modernen
Weltbilds bezogen werden. Denn Religion und Christentum stehen
selten im Zentrum der Aufmerksamkeit von Foucaults historischen
Studien. Vielmehr unterwirft er gänzlich säkulare
Themenbereiche seiner historischen Vorgehensweise. Das Ziel
seiner Arbeit hat er einmal selbst folgendermaßen formuliert:
„Nun, ich habe nicht vor, die Geschichte der Vergangenheit
in die Begriffe der Gegenwart zu fassen. Wohl aber ist es meine
Absicht, die Geschichte der Gegenwart zu schreiben.“8
Eine „Geschichte der Gegenwart“ setzt sich offensichtlich
von einer „normalen“ historischen Vorgehensweise
dadurch ab, dass ihr Hauptinteresse nicht die Vergangenheit
ist. Vielmehr ist der Weg zurück in die Geschichte als
ein Werkzeug zu betrachten, mit dem Foucault an der Gegenwart
arbeitet. Sein Anliegen ist nicht die historiographische Feststellung
eines „So ist es gewesen“. Einem solchen Anliegen
unterstellt er eher subtil, die Vergangenheit auch nur als
präsentistische Projektion der Gegenwart zeichnen zu
können. Vielmehr zielt Foucaults historische Arbeit auf
einen Gegenwartskontext, in dem sie eine politische Bedeutung
bekommt, weil sie gegenwärtige Wissensbestände erschüttern.
So schreibt Foucault gleich zu Beginn seiner akademischen
Laufbahn Wahnsinn und Gesellschaft9,
eine kritische Geschichte der Geisteskrankheit. An die Stelle
der sonst üblichen humanistischen Fortschrittsgeschichte,
die gegen den mittelalterlichen Umgang mit dem Irren das medizinische
Verständnis des Kranken durchsetzt, tritt bei Foucault
eine Verfallsgeschichte, in der der angemessene Umgang mit
dem Narren im Mittelalter durch eine repressive Moderne zerstört
wird. Foucault sabotiert in seinem Einstandswerk das moderne
Verständnis des Geisteskranken, indem er die Gründe
für dessen Genese in den wirtschaftlichen, politischen
und gesellschaftlichen Opportunitäten der französischen
Klassik verortet, anstatt wissenschaftlichen Fortschritt dafür
verantwortlich zu machen. Paradigmatisch zeichnet sich für
Foucaults weiteres Denken das Ziel ab, die wissenschaftliche
Objektivität der Moderne zu demontieren. Ob es sich dabei
um die moderne Medizin, die Humanwissenschaften, die Delinquenz
oder die Sexualität handelt - Foucault zersetzt die Fundamente
des modernen Selbstverständnisses. In einem späten
Vortrag weist er unter dem Begriff der „Kritik“
auf die aufklärerische Intention hin, die seinem Denken
zugrunde liegt.
„In dem Spiel, das man die Politik der Wahrheit
nennen könnte, hätte die Kritik die Funktion der Entunterwerfung.
Obwohl diese Definition bloß empirisch und ziemlich ungenau
ist, maße ich mir an zu denken, daß sie nicht weit
entfernt ist von jener Definition, die Kant gegeben hat: allerdings
nicht von der Kritik sondern von der Aufklärung.“10
‚Historisch-kritisch’ ist wohl der angemessene
und doppeldeutige Ausdruck für die Methode des Foucaultschen
Vorgehens in dieser „Politik der Wahrheit“. Darin
kommt die strukturelle Ähnlichkeit der exegetischen Wissenschaft
und der Methode Foucaults zum Ausdruck, deren gemeinsamen
Ursprung Foucault auch selbst benennt. „Die Kritik ist
historisch gesehen biblisch“11.
Stammt also Foucaults kritischer Gestus selbst aus der biblischen
Theologie? Kann die Theologie sich ihre Vergangenheit neu
zu eigen machen, indem sie sich als herrschaftskritische Wissenschaft
neu entdeckt? Sicherlich sind sich biblische Theologie und
Foucaults Denken nicht nur im grundsätzlichen Ansatz,
sondern auch im Ziel einander verwandt, richtete sich Bibelkritik
in der Vergangenheit doch auf kirchliche Herrschaft, die sie
zu untergraben suchte. Diese Herrschaftskritik hat bis zu
der Zeit Foucaults ihren Sitz im Leben verändert, braucht
sie die kirchliche Herrschaft in der Gegenwart kaum mehr als
gefährlich einzustufen. „Ich denke, daß die
ethisch-politische Wahl, die wir jeden Tag zu treffen haben,
darin besteht zu bestimmen, was die Hauptgefahr ist.“12
So wie die Ursprungsintention der Bibelkritik ein Angriff
auf die kirchliche Dogmatik war, so attackiert Foucault heute
bestimmte Wissensbestände der Moderne. Den engen Zusammenhang
des Wissens mit der Macht und dem Subjekt herausgearbeitet
zu haben, ist der wesentliche Verdienst Foucault. Wissen,
Macht und Subjekt bilden die „drei Achsen“13
der Foucaultschen Philosophie. Als nietzscheanischer Wille
zum Wissen rückt die Macht ins Zentrum dieses Denkens,
die sich aber deutlich von klassischen Definitionen der Macht
als Beherrschung abhebt. Von der Macht als einer „komplexen
strategischen Situation in einer Gesellschaft“14
können sich die Individuen einer Zeit nicht frei machen.
Über die mit Autorität ausgestatteten Wissensbestände
konstituieren sie sich als Subjekte. Selbst im Widerstand
gegen die Macht bleiben sie noch von dieser abhängig.
So ergibt sich ein Netz aus Wissen und Macht, von dem die
menschliche Existenz bestimmt ist. Auf einen Nenner gebracht
geht es Foucault um die „Beziehung zwischen der individuellen
Existenz und der Gesamtheit der Strukturen und historischen
Bedingungen, in denen eine solche individuelle Existenz aufscheint“15.
Die entscheidende Einsicht der archäologischen Phase
Foucaults, die aber auch später nichts von ihrer Gültigkeit
einbüßt, ist die Zeitabhängigkeit jeder Erkenntnis.
Indem Foucault eine Denkweise der Vergangenheit als kohärentes
Erfahrungssystem darstellt und ihre einleuchtenden Motive
sichtbar macht, verfremdet er die Gegenwart, deren ‚so-und-nicht-anders-sein‘
an Selbstverständlichkeit verliert. Und er ebnet den
Weg zur Erkenntnis, dass auch die Gegenwart von einer zukünftigen
Denkform abgelöst werden wird, die die heutige Weltsicht
wahrscheinlich nur als naiv begreifen kann. Mit Foucault verbietet
sich eine Wertung der Geschichte nach Kriterien von heute.
Es wäre demnach ein illegitimer Rückgriff, von anderen
Zeiten zu erwarten, dass sie in gleichem Maße z.B. humanwissenschaftliches
Wissen hätten entwickeln können und sollen. Genauso
muss der Annahme eines Fortschritts gegenüber vergangenen
Zeiten mit Foucault eine Absage erteilt werden. Die Ordnung
der Dinge verändert sich, aber das bedeutet keineswegs,
dass sie stetig besser wird. Obwohl sich Foucaults Methode
später von der strengen Epochenbindung der Archäologie
löst, bleibt die grundlegende Einsicht bestehen, dass
nicht zu jeder Zeit jede Erkenntnis möglich ist.
Entmythologisierung des Wissens
Man kann die Projekte von Michel Foucault und Rudolf Bultmann
im Begriff der Entmythologisierung aufeinander beziehen, indem
man auf eine paradigmatische Passage von Wahnsinn und Gesellschaft
zurückgreift. Den humanistischen Psychiatern Pinel und
Tuke hält Foucault dort im Blick auf die Geisteskrankheit
als einem natürlichen Phänomen entgegen, dass sie
mit der Zuschreibung des Wahnsinns als Krankheit nichts anderes
als einen Mythos geschaffen hätten, der den Wahnsinnigen
viel zuverlässiger eingeschlossen hält als die Internierung
der Klassik. Die von ihm gebrauchte Formulierung weist jedoch
weit über ihren Anwendungsbereich in diesem Text hinaus.
„Man muß wohl von einem Mythos sprechen,
wenn man das als Natur ausgibt, was Begriff ist“16.
Verallgemeinert könnte man dieses Projekt auf die Formel
bringen: Foucault versucht eine Entmythologisierung des
Wissens der Moderne. Zur Debatte steht dabei das grundsätzliche
Verhältnis von Diskurs und Natur. Für Foucault steht
fest, dass der Diskurs nicht die Natur oder das Ding ‚an
sich’ repräsentiert, sondern dass er den eigengesetzlichen
Mechanismen der Macht folgt. Gegen den Anspruch auf Objektivität
der modernen Humanwissenschaften und wider die Priorität
des Subjekts in der Erkenntnis weist er mit dem „Analyseraster“17
von Wissen und Macht darauf hin, dass sich wichtige Teile
im Wissen der Gegenwart aus modernen Mythen speisen, die bestimmten
Herrschaftsformen dienen. Dieser „systematische Skeptizismus
hinsichtlich anthropologischer Universalien“18
dient der Kritik des notwendig befangenen Bewußtseins
der modernen Existenz. Ist doch die Erkenntnis immer zeitgebunden,
und so einer bestimmten Ordnung der Dinge verhaftet. Das moderne
Bewußtsein beruht nach Foucault auf diskursiven Tatbeständen,
die die „Natur“ nicht repräsentieren, aber
genau das vorgeben. Solche Mythen müssen mit historisch-kritischer
Arbeit aufgedeckt werden. Das, was sich als objektive Naturtatsache
präsentiert, ist nichts anderes als das Produkt bestimmter
diskursiver Zuschreibungen, die historisch kontingent sind
und auch ganz anders hätten aussehen können. Die
Gegenwart ist nicht notwendig so wie sie ist. „It ain’t
necessarily so.“
Der Mythosbegriff
Wenn man nun diese beiden Projekte unter dem gemeinsamen
Begriff der Entmythologisierung betrachtet, so springt unmittelbar
die Differenz zwischen den Mythos-Auffassungen der beiden
Denker ins Auge. Foucault ist ein anderer Entmythologisierer
als Bultmann. Er entwickelt keinen Begriff des „Mythos“19
und legt keine Definition vor. Damit verbleibt er in einem
rein negativen Verständnis, das Mythos als täuschende
oder überholte Denkweise versteht. Bultmann dagegen betont
mehrfach, dass er von einem Mythosbegriff ausgehe, so „wie
die religionsgeschichtliche Forschung ihn versteht“20.
Vom wissenschaftlichen Weltbild als Mythos zu sprechen, insofern
es auch kein unveränderliches Wissen sei, mache keinen
Sinn21.
Doch bereits Bultmanns Zeitgenossen haben seinen Mythosbegriff
als unscharf kritisiert. Zusätzlich haben seit den 50er
Jahren die theologischen und philosophischen Debatten um den
Begriff des Mythos zu einer Pluralisierung der Anschauungen
geführt, so dass nun längst nicht mehr klar ist,
was als Mythos gelten darf und was nicht. „Es ist (...)
offenbar nicht möglich, Mythos zu definieren“22.
In der neueren Forschung hat vor allem Kurt Hübner23
darauf hingewiesen, dass der Mythos ein in sich kohärentes
Erfahrungssystem darstellt, das „eine der Wissenschaft
durchaus ebenbürtige Rationalität“24
besitzt, und dadurch vor allem die pauschale Abwertung des
Mythischen in Frage gestellt. Die bei Bultmann immer mitschwingende
Bewertung des Mythos als minderwertiges Wissen, kann angesichts
dieser Diagnose auch nicht aufrecht erhalten werden. Gegenüber
dem Mythos als einem in sich schlüssigen Weltbild, kann
sich die moderne wissenschaftliche Weltdeutung nicht mehr
als prinzipiell überlegen gebärden. In dieser Überlegenheit
scheint jedoch für Bultmann gerade die Inkompatibilität
von mythologischem Glauben und Moderne zu bestehen: „Mythisches
Denken ist der Gegenbegriff zum wissenschaftlichen Denken“25.
Das Mythische qualifiziert sich bei Bultmann als mythisch,
insofern es einer wissenschaftlichen Logik nicht zugänglich
ist. Bei aller vermeintlichen Strenge des Mythosbegriffs bei
Bultmann und seiner Unschärfe bei Foucault ist beiden
eines gemeinsam: Die Zuschreibung des Mythos auf eine diskursive
Äußerung - sei es des Neuen Testaments oder der
modernen Humanwissenschaften - entwertet diese Aussage in
den Augen der beiden Autoren. Ein Mythos kann nicht als objektive
Feststellung hingenommen werden und ist kritisch zu beurteilen.
Auch Bultmanns Wertschätzung des Mythos als authentische
Ausdrucksform ändert daran nichts, denn das mythische
Weltbild gibt seinen Wert nur in einer Interpretation nach
modernen Kriterien preis.
Zwei Dinge stehen im Licht der Kritik Foucaults nun zur
Debatte: Zunächst muss die selbstverständliche Geltung
des modernen wissenschaftlichen Weltbildes als Maßstab
an das Neue Testament hinterfragt werden. Im Anschluss wird
die daraus resultierende Notwendigkeit einer existentialen
Interpretation diskutiert.
Zwei Welten: Das Neue Testament im Kontext der Moderne
Rudolf Bultmann setzt im Widerstreit der Weltbilder die
unbedingte Geltung der Moderne voraus. Seine Kritik wird dadurch
zu einer Einbahnstraße, durch die zwar von der Moderne
aus das Weltbild des Neuen Testaments kritisiert und interpretiert
werden darf, die Moderne selbst aber bleibt unhinterfragt.
Foucault geht mit einer ebenso kritischen Intention den umgekehrten
Weg, indem er die Vergangenheit zu einem Werkzeug für
die Arbeit an der Moderne umgestaltet. Die Entmythologisierung
Bultmanns nimmt die Beurteilung der Vergangenheit aus der
Gegenwart vor, um der Vergegenwärtigung des Glaubens
willen. Foucaults Entmythologisierung führt eine Beurteilung
der Gegenwart durch den Blick in die Vergangenheit durch,
um der Destruktion moderner Herrschaft willen. Die Gefahr,
gegen die Bultmann kämpft, ist die Verabschiedung des
Glaubens aufgrund seiner Unglaubwürdigkeit in der Moderne.
Er verfolgt ein Modernisierungsprojekt. Foucault schreibt
gegen die gefährliche Nutzung moderner Sichtweisen und
Kategorien als Praxis der Bemächtigung an. Es ist ein
Moderne-kritisches Projekt.
Schließen sich diese beiden Denkbewegungen aus? Ist
eine Entscheidung für eine von ihnen notwendig? Es scheint,
als könne man weder die Berechtigung des Bultmannschen
Projekts der Kritik und Interpretation des Neuen Testaments
leugnen, noch gemäß Foucault darauf verzichten,
der Moderne und der mit ihr verbundenen Weltsicht die objektive
Gültigkeit als ewiges Fundament des Wissens abzusprechen.
Die beiden Entmythologisierungs-Projekte dürfen nicht
als Alternativen gedacht werden. Sie sind beide gleichermaßen
berechtigt. Denn Bultmann hat natürlich prinzipiell Recht,
wenn er nach den Maßstäben der Gegenwart auf das
Neue Testament zugreift. Es ist nicht wirklich sinnvoll mit
Bibelzitaten gegen die Einsichten von Atomphysikern vorzugehen.
Soll der christliche Glauben in der Gegenwart Wurzeln schlagen,
so muss er auch nach den Regeln heutigen Lebens ausgelegt
werden. Für den heutigen Menschen ist das Weltbild der
Moderne nicht optional. Die Glaubwürdigkeit von Wissen
wird sozial festgelegt, daher kann man sich zwar partiell
als Einzelner daraus ausklinken, nicht aber die gesamte Plausibilitätsstruktur
verändern. Man kann sich sein Weltbild nicht wählen,
das ist auch die Einsicht Foucaults. Aber gegen Bultmann muss
geltend gemacht werden, dass dieses Wissen nicht absolut gesetzt
werden darf. Die pauschale Qualifizierung neutestamentlicher
Aussagen als mythologisch aber suggeriert ihre Unbrauchbarkeit
zum angemessenen Verstehen der Welt. Mit Foucaults Logik und
Hübners Forschungsergebnissen müßte dagegen
auf Kohärenz und Funktionalität, bzw. auf die „Wahrheit
des Mythos“26
hingewiesen werden, die zur Anfrage an die wissenschaftliche
Rationalität der Moderne wird.
Existenz und Politik
Im Grunde genommen steht für Bultmann das naturwissenschaftliche
Weltbild der Moderne gar nicht im Mittelpunkt seines Interesses.
Unter der Voraussetzung von dessen Gültigkeit - ein Punkt,
in dem Bultmann mit der liberalen Theologie einig ist und
der im vorhergehenden Absatz kritisch beleuchtet wurde - geht
es ihm um die Frage nach dem Ort des Glaubens in der Moderne.
Bultmann umreißt mit seiner existentialen Hermeneutik
einen heute möglichen Geltungsbereich der Wahrheit des
Neuen Testaments. Nicht dessen kosmologische Weltsicht kann
für uns noch eine Bedeutung haben, sondern allein ihr
„religiöser“ Gehalt. Der Glaube darf nicht
mit „der Anerkennung allgemeiner Wahrheiten oder überlieferter
Dogmen“27
verwechselt werden, denn es geht um die Mächtigkeit der
christlichen Verkündigung in der Existenz des Menschen.
Entgegen einer historisierenden Auslegung stellt Bultmann
den Ruf in den persönlichen Glauben an Gott ins Zentrum
des neutestamentlichen Kerygmas. Wenn darin von Gott die Rede
ist, so nur im Blick auf die Existenz des Menschen, im Horizont
der Frage nach dem Heil. „Im menschlichen Dasein ist
ein existentielles Wissen um Gott lebendig als die Frage nach
‚Glück‘, nach ‚Heil‘, nach dem
Sinn von Welt und Geschichte, als die Frage nach der Eigentlichkeit
des je eigenen Seins“28.
Konsequenterweise muss das Vorverständnis für die
Auslegung der neutestamentlichen Texte von der wissenschaftlichen
Analyse der Existenz des Menschen geliefert werden, die Bultmann
bei Martin Heidegger findet. Bezweckt ist mit dieser existentialen
Interpretation die „Befreiung von der Bindung an
jedes Weltbild“29,
das wissenschaftliche Weltbild ausdrücklich mit eingeschlossen.
Diese Formulierung muss erstaunen, noch mehr aber, dass die
Aussagen der Daseinsanalyse „den Sinn zeitloser Wahrheiten
haben“30.
Offensichtlich wird die Heideggersche Daseinsanalyse von Bultmann
als eine zeitunabhängige Explikation menschlicher Existenz
verstanden. Hier muss mit Foucault Widerspruch eingelegt werden
gegen die Voraussetzungen Bultmanns: Heideggers Philosophie
ist selbstverständlich Kind ihrer Zeit, allein schon
deshalb, weil sie nur nach der anthropologischen Wende der
Moderne denkbar ist31.
Foucaults Analysen zeigen im Blick auf das Wissen vom Menschen,
das es in hohem Maße politisch aufgeladen und von gesellschaftlichen
Interessen bestimmt ist. Daher kann Heideggers Philosophie
keineswegs frei von seinem politischen Gegenwartskontext betrachtet
werden, gerade wenn man seine philosophisch-politische Annäherung
an den Nazismus bedenkt oder an seinen Einfluss auf links
stehende Intellektuelle, speziell in Frankreich denkt32.
An diesem notwendigen Widerspruch gegen Bultmann ändert
auch Foucaults eigener philosophischer Beginn und seine (von
Fink-Eitel postulierte33)
Rückkehr zu Heidegger nichts. Foucault bereichert Heideggers
Denken um den nietzscheanischen Aspekt der Macht. Die in Heideggers
Philosophie eher unpolitische Verortung des Einzelnen in einer
sozialen Umwelt - „Das Mitsein ist ein existentiales
Konstituens des In-der-Welt-seins“34
- stellt sich bei Foucault als eine politisch aufgeladene
und komplexe, strategische Situation dar. In diesem Zusammenhang
muss auch dessen Absage an ein hermeneutisches Projekt wie
das Bultmanns verstanden werden. Foucault geht davon aus,
dass der verborgene Sinn der Existenz nicht durch Interpretation
des Daseins ans Licht gebracht wird, sondern dieser vielmehr
von den Mächten, die zum Auffinden des Sinns anleiten,
erst konstituiert wird. Bultmanns Interpretation des Neuen
Testaments erscheint in dieser Perspektive nicht als Vergegenwärtigung
des Kerygmas der Urgemeinde, sondern als Übernahme des
gesellschaftspolitischen Status quo der Religion in der Moderne.
Denn eine existentiale Interpretation setzt eine privatisierte
Religion voraus, die von der politischen Sphäre sorgfältig
getrennt bleibt. In Bultmanns Projekt der Entmythologisierung
nimmt das Christentum kritiklos den Platz ein, den ihr die
Moderne zuweist. So muss in Frage gestellt werden, ob sich
Heil, Rechtfertigung und Erlösung allein in Kategorien
der Existenz zur Sprache bringen lassen. Mit Foucault wäre
die politische Dimension der Erlösung neu in den Fokus
der Aufmerksamkeit zu rücken. Die Religion des Neuen
Testaments hat „immer eine politische Prophetie bei
sich“35.
Entmythologisierung des Säkularismus
Die sich im Zusammenhang von Neuem Testament und Moderne
aufdrängende alternative Entscheidung zwischen mythischem
Denken auf der einen Seite und wissenschaftlicher Rationalität
auf der anderen soll mit Foucault abgelehnt werden. „Mythos“
und „Rationalität“ sind als normative Etikette
zu betrachten, die anzeigen, ob eine Aussage im Diskurs Geltung
beanspruchen darf oder nicht. Die Grenzen zwischen Mythos
und Rationalität verschwimmen, sofern sie auf die ihnen
zugrunde liegenden Praktiken bezogen werden. Denn es muss
mit Foucault auf die Tatsache aufmerksam gemacht werden, dass
Weltdeutungen nicht „einfach so“ vom Himmel fallen
und nicht zufällig zu einer Zeit und an einem Ort dominant
werden. Handlungsleitendes Wissen ist der Gegenstand von Politik:
Kulturpolitik, Wissenschaftspolitik, Bildungspolitik, Religionspolitik,...
alles in allem: „Politik der Wahrheit“36.
Man muss die wissenschaftliche Rationalität im Kontext
einer bestimmten historischen Entwicklung Westeuropas sehen,
die seit der Aufklärung im Mythos wie im christlichen
Glauben gleichermaßen unangemessene Zugänge zur
Wirklichkeit sieht. Als Schlagwort, das vor allem im englischsprachigen
Raum diese Tendenz in einem Wort zusammenfasst, kann man vom
Säkularismus der Moderne sprechen. Säkularismus
wäre zu verstehen als eine vollständige „von
Gott gelöste Seinshaltung“37,
der „Verlust der Dimension der Transzendenz“38
und die Beschränkung allen Wissens, Handelns und Hoffens
auf die Immanenz. Säkularismus meint keine Säkularität
als legitime Autonomie der Welt im Sinne von Gaudium et
spes oder im Sinne von Metz’ Weltlichkeit der Welt
als christlichem Ereignis, sondern eine völlige Aufgabe
und Abwendung von der Gottesidee in allen ihren Spielarten.
Könnte man eine Genealogie des Säkularismus mit
all der entmythologisierenden Kraft dieser historischen Methode
Foucaults schreiben? Könnte man ein „It ain’t
necessarily so“ im Blick auf die vollständige Säkularisierung
der Welt ins allgemeine Bewußtseins heben? Wenn die
heilschaffende Wahrheit Gottes in einem modernen Weltbild
keinen Platz mehr besitzt, so muss dieses Weltbild als defizitär
gekennzeichnet werden. Dazu kommt, dass auf der Rückseite
dieses öffentlichen Säkularismus ist eine private
Schattenwelt des Religiösen und Pseudo-Religiösen
angewachsen, in der die persönliche Beliebigkeit regiert.
Dieser esoterische Polytheismus - als invertiertes Gegenbild
des wissenschaftlichen Weltbilds der Moderne und Ergebnis
ihrer Privatisierung der Religion - speist sich vielfach aus
den Beständen der historischen Kulte und integriert diese
selbstverständlich. Die Moderne mit ihren zwei Seiten
muss sich im Horizont des biblisch begründeten christlichen
Glaubens fragen lassen, ob sie zum Heil der Menschen beiträgt.
Bultmann, der genau mit diesem theologischen Anliegen die
Interpretation des Neuen Testaments betreibt, leistet einen
wichtigen Beitrag für die Vergegenwärtigung des
Glaubens. Nur können die Analysen Foucaults im Dreieck
von Wissen, Macht und Subjekt die Aufmerksamkeit dafür
schärfen, dass Erlösung sich nicht nur in der privaten
Existenz, sondern auch im sozialen Raum inkarnieren muss.
Eröffnen die sozial gestützten Weltbilder der Moderne,
gleichgültig ob sie mythisch oder wissenschaftlich sind,
soziale Räume, in denen Glaube, Hoffnung und Liebe als
Zeichen der Erlösung erfahrbare Realitäten werden?
Soziale Räume, in denen ein Stück Himmel sichtbar
wird? Soziale Räume, in denen Gott erfahrbar wird, und
trotzdem der eschatologische Vorbehalt eines ‚deus semper
maior‘ bewahrt wird? Denn was hier im Einklang mit der
Tradition negativer Theologie festgestellt werden muss, ist
der Verlust des Ortes, von dem aus ein objektives Glaubenswissen
möglich wird. Die Synthese der beiden Entmythologisierungsprojekte
führt zu einer Doppelstrategie der Dekonstruktion. Weder
Neues Testament noch Moderne können einen sicheren Maßstab
unseres Wissens bilden. Verständlicherweise liegt uns
die Entmythologisierung des Neuen Testaments weitaus näher.
Daher ist als Gegengewicht die Entmythologisierung des Wissens
der Moderne gemäß Foucault um so bedeutender. Vor
einer Bibelhermeneutik muss die Dekonstruktion einer säkularen
Moderne liegen. Das Ziel dabei ist die Ermächtigung der
Menschen zur Nachfolge Christi gegenüber einem übermächtigen
Dispositiv der Moderne in seinem Doppelgesicht von Säkularismus
und Idolatrie als den Hauptgefahren, denen christlicher Glaube
heute zu begegnen hat. Dass bei dieser Eröffnung von
Möglichkeitsräumen, in denen Nachfolge Christi möglich
wird, keine falschen Garantien sicheren Wissens verfügbar
sind, ist ein Zug, der dem christlichen Glauben selber zutiefst
eingeschrieben ist.
„Wie die Rechtfertigungslehre zerstört
sie [die Entmythologisierung] jede falsche Sicherheit und
jedes falsche Sicherheitsverlangen des Menschen, mag sich
die Sicherheit auf sein gutes Handeln oder auf sein konstatierendes
Erkennen gründen. Der Mensch, der an Gott als seinen
Gott glauben will, muß wissen, daß er nichts in
der Hand hat, woraufhin er glauben könnte, daß
er gleichsam in die Luft gestellt ist und keinen Ausweis für
die Wahrheit des ihn anredenden Wortes verlangen kann. Denn
Grund und Gegenstand des Glaubens sind identisch. Die Sicherheit
findet nur, wer alle Sicherheit fahren läßt, wer
- um mit Luther zu reden - bereit ist, in die innere Finsternis
hineinzugehen.“39
Veröffentlicht in: Bauer, Christian/Hölzl, Michael
(Hg.), Gottes und des Menschen Tod? Die Theologie vor der
Herausforderung Michel Foucaults. Mainz: Matthias-Grünewald
2003, 167-180.
Literatur
Beißer, Friedrich (1994) „Mythos. V.
Systematisch-theologisch“, in: TRE XXIII. Berlin-New
York: de Gruyter, 650-661.
Bultmann, Rudolf (1950) „Das Problem der Hermeneutik“,
in: ZThK 47-69.
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Fußnoten
1 J. Werbick: Den Glauben
verantworten. Eine Fundamentaltheologie. Freiburg-Basel-Wien
2000, 11.
2 R. Bultmann: Rudolf,
Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung
der neutestamentlichen Verkündigung. München 1988,
25.
3 R. Bultmann: Rudolf,
Zum Problem der Entmythologisierung, in: H.-W. Bartsch (Hg.),
Kerygma und Mythos. Bd. II. Hamburg 1952, 177-208. 184.
4 R. Bultmann: Rudolf,
Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung
der neutestamentlichen Verkündigung. München 1988,
22.
5 Ders., 16.
6 J. Werbick: Den Glauben
verantworten. Eine Fundamentaltheologie. Freiburg-Basel-Wien
2000, 657.
7 Vgl. J.-F. Lyotard:
Der Widerstreit. München 1987.
8 M. Foucault: Überwachen
und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Frankfurt a.
M. 1994, 43.
9 M. Foucault: Wahnsinn
und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der
Vernunft. Frankfurt a. M. 1973.
10 M. Foucault: Was
ist Kritik? Berlin 1992, 15.
11 Ders., 13.
12 M. Foucault: Zur
Genealogie der Ethik: Ein Überblick über laufende
Arbeiten, in: H. L. Dreyfus/P. Rabinow, Paul, Michel Foucault.
Jenseits von Struktualismus und Hermeneutik. Frankfurt a.
M. 1987, 265-292. 268.
13 M. Foucault: Sexualität
und Wahrheit. Bd. II: Der Gebrauch der Lüste. Frankfurt
a. M. 1989, 10.
14 M. Foucault: Sexualität
und Wahrheit. Bd. I: Der Wille zum Wissen. Frankfurt a. M.
1983, 114.
15 M. Foucault:
Paolo Caruso: Gespräch mit Michel Foucault“,
in: ders., Von der Subversion des Wissens. Hrsg. v. Walter
Seitter. Frankfurt a. M.: 1987, 7f.
16 M. Foucault: Wahnsinn
und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der
Vernunft. Frankfurt a. M. 1973, 502.
17 M. Foucault: Was
ist Kritik? Berlin 1992, 33.
18 M. Foucault: Eine
autobiographische Skizze, in: P. Mazumdar, Foucault.
München 1989, 498-504. 501.
19 M. Foucault: Wahnsinn
und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der
Vernunft. Frankfurt a. M. 1973, 496.497.501.502.503.
20 R. Bultmann: Rudolf,
Neues Testament und Mythologie. Das Problem der Entmythologisierung
der neutestamentlichen Verkündigung. München 1988,
22f.
21 Vgl. R. Bultmann:
Rudolf, Zum Problem der Entmythologisierung, in: H.-W. Bartsch
(Hg.), Kerygma und Mythos. Bd. II. Hamburg 1952, 177-208.
180f.
22 F. Beißer:
Mythos. V. Systematisch-theologisch, in: TRE XXIII. Berlin-New
York 1994, 650-661. 652.
23 Vgl. K. Hübner:
Die Wahrheit des Mythos. München 1985.
24 K. Hübner:
Art. Mythos. I. Philosophisch, in: TRE XXIII. Berlin-New York
1994, 597-608. 604.
25 R. Bultmann: Rudolf,
Zum Problem der Entmythologisierung, in: H.-W. Bartsch (Hg.),
Kerygma und Mythos. Bd. II. Hamburg 1952, 177-208. 180.
26 K. Hübner:
Die Wahrheit des Mythos. München 1985.
27 R. Bultmann: Rudolf,
Zum Problem der Entmythologisierung, in: H.-W. Bartsch (Hg.),
Kerygma und Mythos. Bd. II. Hamburg 1952, 177-208. 189.
28 R. Bultmann: Das
Problem der Hermeneutik, in: ZThK (1950) 47-69. 66.
29 R. Bultmann: Rudolf,
Zum Problem der Entmythologisierung, in: H.-W. Bartsch (Hg.),
Kerygma und Mythos. Bd. II. Hamburg 1952, 177-208. 207.
30 Ders., 201.
31 Vgl. M. Foucault:
Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften.
Frankfurt a. M. 1971.
32 Vgl. T. Rockmore:
Heidegger und die französische Philosophie. Lüneburg
2000.
33 Vgl. H. Fink-Eitel:
Zwischen Nietzsche und Heidegger. Michel Foucaults ‚Sexualität
und Wahrheit‘ im Spiegel neuerer Sekundärliteratur,
in: Philosopisches Jahrbuch 97 (1990) 367-390. 377.
34 M. Heidegger:
Sein und Zeit. Tübingen 1993, 125.
35 J.-B. Metz: Zum
Begriff der neuen Politischen Theologie. 1967-1997. Mainz
1997, 93.
36 M. Foucault: Was
ist Kritik? Berlin 1992, 15.
37 U. Ruh: Säkularisierung,
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, Bd. 18.
Freiburg-Basel-Wien 1982, 60-100. 67.
38 Ders., 69.
39 R. Bultmann: Rudolf,
Zum Problem der Entmythologisierung, in: H.-W. Bartsch (Hg.),
Kerygma und Mythos. Bd. II. Hamburg 1952, 177-208. 207.
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